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Terrassendach ohne Baugenehmigung
03.10.2014, 12:18
Beitrag: #1
Terrassendach ohne Baugenehmigung
Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca. 3 Monaten haben wir unsere Terrasse mit einem Aluminium/Glas-Dach 4x4m überbauen lassen. "Geplant" und ausgeführt wurden die Arbeiten von einem deutschen Fachbetrieb aus NRW. Wir wohnen selbst in Sachsen-Anhalt.
Der Betrieb hatte beste Bewertungen bei Myhammer und baut wohl im gesamten Bundesgebiet Wintergärten und Terrassendächer.

Nachdem das Dach stand wurde ich von einem Freund darauf verwiesen, dass ich bei dieser Bautiefe von ca. 4m eine Baugenehmigung hätte beantragen müssen. Nach einigen Recherchen stellte sich dieses als wahr heraus. Vom Fachbetrieb wurde wir zu keiner Zeit darauf hingewiesen. Trotzdem haben wir uns dann dafür entschieden diese Sache beim Bauamt zu heilen und sind dort zum Glück auf verständnisvolle Ohren getroffen. Man war dort sehr hilfsbereit und es gibt nicht einmal ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Wir müssen nun noch einige Unterlagen nachreichen u.a. einen Standsicherheitsnachweis. Und nun beginnen die Probleme!

Genau diesen Nachweis kann das Unternehmen ganz offensichtlich nicht erbringen!
Zunächst wurde uns eine sehr zweifelhafte Regelstatik mit Dacheindeckung Polycarbonat angedreht. Jetzt versucht man noch eine neue Statik aufzutreiben, der aber gemeinsam sein dürfte, dass sie nichts mit dem bei uns aufgestellten Dach zu tun hat. Das Bauamt hat bereits Fotos und selbst erstellte Lagepläne von uns.

Bei aller Großzügigkeit seitens des Bauamtes gehe ich davon aus, dass wenn die Sache auffliegt eine Rückbauverfügung ergeht. Außerdem wäre ich natürlich auch beruhigt zu wissen, dass die Überdachung tatsächlich statisch in Ordnung ist.

Hat ein Betrieb die Pflicht vor dem Bau die Statik zu prüfen? Ist er haftbar zu machen? Wo finde ich einen kompetenten Fachanwalt?

Danke für Eure Antworten oder weitere Hinweise :-)
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11.10.2014, 16:47
Beitrag: #2
RE: Terrassendach ohne Baugenehmigung
Nachtrag:

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die beiden Punktfundamente mit mximal 20x20cm und 20cm Tiefe im Grunde den Namen Fundament nicht verdienen.

Soviel zum Thema Fachbetrieb...

Ich werde nun eine eigene Statik erstellen lassen müssen, aber ich erahne dabei nichts Gutes...
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01.11.2014, 21:30 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.04.2015 12:07 von Dr.Spenke.)
Beitrag: #3
RE: Terrassendach ohne Baugenehmigung
Sehr geehrter HuggyHZ,

der Wintergartenlieferant ist selbstverständlich verpflichtet, ein mangelfreies Werk zu liefern. Den Nachweis dafür hätten Sie bei der Bauabnahme verlangen können.

Wenn Sie nachweisbar beraten wurden, dass keine Baugenehmigung erforderlich sei, obwohl das Ihre Landesbauordnung oder Ortssatzung vorschreibt, dann wäre das schon mal ein schwerer Beratungsfehler, der bei einem Fachbetrieb nicht vorkommen sollte. Gut beraten ist man deshalb auch immer, wenn man einen Fachbetrieb aus der Nähe beauftragt, der sich in der lokalen Rechtslage auskennt und nicht den, der vielleicht gerade eine Drückerkolonne vorbeischickt. In Sachsen-Anhalt und näherer Umgebung gibt es sehr sehr solide Lieferanten!

In der Landesbauordnung Sachsen-Anhalt sind Terrassenüberdachungen verfahrensfrei: "Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis zu 30 m2 und einer Tiefe bis zu 3 m", nicht 4 m Tiefe!

Verfahrensfrei heisst aber auch nicht, dass keine bautechnischen Regeln gelten, nur dass der Bauherr und der Unternehmer die Verantwortung dafür selber tragen und das Bauamt im Vorfeld nicht in die Prüfung einbezogen wird.

Beim Streit könnte der Lieferant darauf verweisen, dass mit der Abnahme eine Umkehr der Beweislast erfolgt, so dass Sie nachweisen müssen, dass das Werk mangelhaft, in diesem Falle also nicht standsicher ist. Dazu müssten Sie einen Statiker beauftragen, der aber die wesentlichen Profildaten von Ihrem Liedeanten braucht oder sich diese vom entsprechenden Systemhersteller selbst beschafft.

Leider ist mir kein Urteil bekannt, in dem dieses Problem einmal gründlich geklärt wurde, so dass immer wieder "schwarze Schafe" damit durchkommen, natürlich preisgünstiger als solide Betriebe, denn sie sparen ja einigen Aufwand ein und die Kunden unterstützen das häufig dadurch, dass sie nur nach dem Preis sehen.

Da bisher kein Fall bekannt wurde, dass ein Wintergarten wegen zu geringer Dimensionierung tatsächlich zusammengebrochen ist, wird dieses Thema von vielen Beteiligten unterschätzt. Diese böse Erfahrung wollen wir alle nicht. Damit das wirklich in Zukunft auch so bleibt, sollte dieses Thema aber auch ernster genommen werden.

Das der Unternehmer nicht in der Lage ist, eine Statik zumindest nachträglich ausarbeiten zu lassen ist völlig unakzeptabel. Die Kosten dafür könnte er allerdings als Sowieso-Kosten verlaangen, da er das ja offensichtlich nicht einkalkuliert hatte. Auch hierzu fehlt in der Rechtsprechung, meines Wissens eine klare Entscheidung.

Über eine Information zum Ausgang der Sache würden ich mich sehr interessieren.

Weitere Infos:
- http://bundesverband-wintergarten.de/win...-ratgeber/
- http://bundesverband-wintergarten.de/win...tergarten/

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Spenke
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